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Museumstipps

Publiziert: 16.05.2024

Wer in Bern ins Museum will, hat die Qual der Wahl: Von international bekannten Sonderausstellungen über private Sammlungen bis zu interaktiven Veranstaltungen – wir geben einen Überblick.

Museum für Kommunikation

Hier sieht man sich vergebens nach «bitte nicht berühren»-Tafeln um: Im Museum für Kommunikation darf, ja muss das Publikum mitmachen und ausprobieren! Kommunikation auf innovative und interaktive Weise erlebbar machen – das hat sich die Institution auf die Mütze geschrieben – und wurde dafür 2019 vom Europarat zum «Museum des Jahres» gekürt.

Gewusst, dass …?

«Kamera läuft. Ruhe bitte… und Action!» Fast wie im Filmstudio fühlt es sich an, wenn die Besuchenden in der Station «Filmkaraoke» sitzen und eine Szene aus «Herr der Ringe» nachspielen. Ein bisschen Lampenfieber, ein bisschen Kinostar – da legen sich Gross und Klein voll ins Zeug! Kein Wunder ist die Station ein Renner im Museum für Kommunikation, das für seine unterhaltsamen Ausstellungen bekannt ist.

NICHTS

Eine ganze Sonderausstellung über NICHTS? Das tönt im ersten Moment nach leeren Vitrinen oder nach komplexen, philosophischen Überlegungen. Spätestens beim Betreten des ersten Raumes – der Wunderkammer – wird klar, dass NICHTS im Museum für Kommunikation vieles ist. Sei’s die umfassende Staubkollektion von Berühmtheiten wie Hanspeter Latour und Co. oder eine Aktie der Swissair und Credit Suisse («Nichts mehr wert»). Die darauf folgende Hauptausstellung ist ohne den zur Verfügung gestellten Tracker ein Raum mit nichts Ausgestelltem. Mit dem Tracker können die vielseitigen Inhalte ausprobiert, gehört und gelesen werden. Wie ist es, wenn eine Person bei Depressionen nichts fühlt oder nach einer Flucht nichts hat? Was bedeutet Nichts für die Besuchenden? Wir finden: unbedingt vorbeigehen und herausfinden!

Wenn im virtuellen Game «THE VOID» von der Ausstellung NICHTS gemeinsam 500'000 Punkte erreicht werden, gibt’s einen Rave im Museum.


Bernisches Historisches Museum

Steht da etwa ein Schloss am Helvetiaplatz? Im beeindruckenden Bau mit den verschnörkelten Türmchen sind keine Adligen zuhause, hier ist eines der bedeutendsten kulturhistorischen Museen der Schweiz untergebracht. Neben den Dauerausstellungen beleuchtet das Bernische Historische Museum in seinen Wechselausstellungen stets auch heute noch relevante Themen aus Geschichte und Gesellschaft.

Gewusst, dass …?

Das Turmzimmer Belvedere über dem Einstein Museum bietet eine märchenhafte Aussicht. Vom schneeweissen Alpenpanorama im Südosten führt der Blick über den Rosengarten und das Berner Münster bis hin zum Bundeshaus. Doch keine Sorge – anders als Rapunzel kann man den Turm ganz leicht über die Wendeltreppe wieder verlassen.

Und dann kam Bronze!

Heute gelten Reisen ins Weltall und künstliche Intelligenz als technologischer Fortschritt – vor fünftausend Jahren revolutionierte die Erfindung der Bronze das menschliche Leben. Die aktuelle Sonderausstellung im Bernisch Historischen Museum nimmt Besuchende mit in eine Epoche, in der durch das bahnbrechende Kupfer- und Zinngemisch erstmals effiziente Werkzeuge und Waffen in Serie hergestellt werden konnten. Diese Entdeckung resultierte nachhaltig in Reichtum, Herrschaft und Krieg – auch auf Berner Boden. Exklusiv in der Ausstellung zu sehen ist die «Bronzehand von Prêles». Der Sensationsfund bringt das Berner Seeland auf Augenhöhe mit damaligen Hochkulturen in Babylon, Kreta und Troja.


Einstein Museum

Das einzigartige Museum ist Teil des Bernischen Historischen Museums und verfügt über eine der weltweit grössten Sammlungen zu Albert Einstein. Dieser verbrachte nämlich sieben Jahre seines Lebens in Bern und was dabei herauskam, ist heute weltbekannt: die Relativitätstheorie. Die Ausstellung lässt die Besuchenden Einstein, Physikgenie, Ehemann und Vater, kennenlernen und stellt sein Leben sowie seine Erkenntnisse auf packende Weise in den Kontext der Weltgeschichte.

Gewusst, dass …?

Bei einem Foto lohnt sich genaues Hinsehen besonders: Die gross auf der Wand aufgezogene Aufnahme aus den 1890er-Jahren zeigt die Schulklasse von klein Albert, der damals in München lebte. Sämtliche seiner Schulkameraden blicken, wie es damals üblich und sittlich war, ernst in die Kamera. Nur einer lächelt: der junge Einstein. Vermutlich forderte das Genie schon in jungen Jahren gern die Autoritäten heraus. Dies lässt auf jeden Fall der gewitzte Blick vermuten.


Zentrum Paul Klee

Allein der Bau von Renzo Piano ist ein Besuch wert. Doch Spitzenarchitektur ist bei weitem nicht alles, was es im Zentrum Paul Klee zu sehen gibt! Hier ist nämlich die weltweit bedeutendste Sammlung des Künstlers Paul Klee zu Hause, von der eine Auswahl an 80 Werken in einer Dauerausstellung für alle zugänglich ist. Und den Kleinsten bietet das Kindermuseum Creaviva in interaktiven Ausstellungen einen ersten Zugang zur Kunst.

Gewusst, dass …?

Ganz «hinten» im Zentrum Paul Klee, unter dem dritten Bogen des Renzo-Piano-Gebäudes, befindet sich eine bunte Installation des Schweizer Künstlerpaars Sabina Lang und Daniel Baumann, die betreten und benutzt werden darf – und soll. Ein Ticket braucht es dafür nicht, Besuchende dürfen sich in, an und auf der Installation bewegen, lesen, lauschen, klettern, innehalten, plaudern oder einfach nur Sein.


Kunstmuseum Bern

Das Kunstmuseum Bern geniesst mit Werken von Picasso über Hodler bis Oppenheim Weltbekanntheit und ist zugleich eines der ältesten Kunstmuseen der Schweiz. Sei es wegen den Klassikern oder für eine Sonderausstellung – beim Besuch im Kunstmuseum Bern kommen Kunst-Fans ganz auf ihre Kosten.

Gewusst, dass …?

Dass seine Zeichnungen mal im Museum hängen würden, hätte Adolf Wölfli (1864–1930) wohl nicht gedacht. Er, der als Verdingbub im Emmental aufgewachsen ist und schliesslich mit der Diagnose Schizophrenie in der Psychiatrischen Klinik Waldau landete. In seiner Zelle füllte er Tausende von Blättern mit Bildern, Mustern, Worten und Musiknoten und schuf sich damit ein eigenes Universum. Heute werden seine Zeichnungen und Collagen weltweit gesammelt und ausgestellt – und bilden ein Glanzlicht im Kunstmuseum Bern, wo sie von der Adolf Wölfli-Stiftung umsorgt und das ganze Jahr hindurch in wechselnden Sammelausstellungen zu sehen sind.

Albert Anker – lesende Mädchen

Auch Menschen, die nicht die grössten Kunstkenntnisse haben, werden den Namen Albert Anker oder dessen bekanntesten Werke kennen. Der Berner malte zeitlebens Bilder, die das schweizerische Gesellschaftsleben darstellten. Die Sonderausstellung des Kunstmuseum Bern stellt auf 13 Gemälden und 10 Zeichnungen/Aquarellen Ankers lesende Mädchen ins Zentrum – ein häufiges Sujet des Malers. Damit verfolgte er das Ziel, die Bildung von Frauen sichtbar zu machen, zu fördern und somit deren wirtschaftlichen und sozialen Status zu verbessern. Heute kann dieser Einsatz als Beitrag zur Gleichberechtigung der Frauen in der Schweiz gesehen werden. Ein Besuch im Kunstmuseum Bern, der aktueller nicht sein könnte.


Alps

Im Alps (Alpines Museum der Schweiz) werden die Berge in all ihren Facetten thematisiert. Neben der historischen Sammlung werden aktuelle Themen rund um Klimawandel, Tourismus, Identität, Mobilität und Raumentwicklung beleuchtet. Dabei ist eine aktive Mitgestaltung explizit erwünscht.

Gewusst, dass …?

Das Alps (Alpines Museum der Schweiz) verfügt über eine umfangreiche Fotosammlung. Von allerersten fotografischen Abbildungen des Hochgebirges, über ethnografische Aufnahmen der Bergbevölkerung, Hochglanz-Fotografien aus der Tourismuswerbung oder Ferienschnappschüssen von Amateuren – die Fotosammlung bietet eine grosse Vielfalt an Sujets.

Heimat. Auf Spurensuche in Mitholz

Für zehn Jahre die Heimat verlassen. Dies ist die Realität der Bewohnenden von Mitholz. 2020 wurde ihnen mitgeteilt, dass sie wegen der Räumung von noch scharfer Munition aus dem 2. Weltkrieg ihr Dorf hinter sich lassen müssen. Gemeinsam mit dem Alpinen Museum setzten sich die Menschen aus Mitholz mit dem Begriff «Heimat» und ihrer ungewissen Zukunft auseinander und haben so die neue Sonderausstellung mitentwickelt. Gleichzeitig spricht die Ausstellung hochaktuelle Themen an: den Umgang mit Risiko und Verantwortung in unserer Zeit, die Bedeutung von Erinnern und Vergessen. Eins ist klar: Mitholz geht uns alle an.


Naturhistorisches Museum Bern

Mit dem goldenen Elefanten auf dem Dach ist das Naturhistorische Museum Bern unverkennbar und (fast) jedem Kind in Bern ein Begriff. Von Präparaten einheimischer und afrikanischer Tiere über eine beeindruckende Sammlung an Riesenkristallen bis zu einem riesigen Finnwal-Skelett – das vielfältige Angebot des Naturhistorischen Museums hat schon so manchen Regentag in Bern in ein kleines Abenteuer verwandelt.

Gewusst, dass …?

Barry, der legendäre Bernhardiner, ist wohl das berühmteste Präparat des Museums. Der treue Rettungshund lebte vor über 200 Jahren in einem Hospiz auf dem Grossen St. Bernhard auf fast 2’500 Metern über Meer. Ob im Winter oder im Sommer – die Passüberquerung war damals lebensgefährlich. Unzählige Menschen wurden dabei verschüttet oder verirrten sich im Schneegestöber. Umso wichtiger, war Barry zur Stelle! Er half bei Bergungen und soll rund 40 Menschen das Leben gerettet haben. So wurde er bereits zu Lebzeiten eine Legende. Für seine Heldentaten erhielt er im Jahr 2014 eine eigene Dauerausstellung – goldene Vitrine inklusive.

Insektensterben – alles wird gut

Dass das Verschwinden eines Käfers im südlichen Pazifik zum Weltuntergang führen kann, prophezeite der Schweizer Schriftsteller und Liedermacher Franz Hohler bereits 1983 in seinem Lied «Der Weltuntergang». Auch die aktuelle Sonderausstellung des Naturhistorischen Museums nimmt die Thematik des weltweiten Insektensterbens auf, beleuchtet sie jedoch von einer futuristischen und optimistischeren Seite. Museumsbesuchende werden ins Jahr 2053 katapultiert und lernen, wie eine Zukunft ohne grosse Katastrophe geschafft werden kann. Die Ausstellungsmacher:innen setzen in der Sonderausstellung den Fokus auf Lösungen und inspirierende Menschen. Beim Zuhören wird klar: Alles kann gut werden!


Kunsthalle Bern

Hier wurde Kunstgeschichte geschrieben: Unter dem legendären Direktor Harald Szeemann erlangte die Kunsthalle spätestens dann internationale Bekanntheit, als sie als erstes Gebäude von Verpackungskünstler Christo eingepackt wurde. Nach wie vor ist die Kunsthalle eine wichtige Plattform für Gegenwartskunst und lässt Kunst-Herzen höherschlagen. 

Gewusst, dass …?

Ursprünglich war die Bar «Module #5» neben dem Hauptgebäude ein temporäres Geschenk zum 100-jährigen Jubiläum der Kunsthalle. Die Berner:innen schlossen den kunstvollen Bau des Schweizer Künstlerpaars Lang/Baumann mit der romantischen Aussicht auf die Berner Altstadt und den betörenden Drinks jedoch so sehr in ihre Herzen, dass der Barbetrieb verlängert wurde. Jeweils in den wärmeren Monaten des Jahres (etwa von Mai bis Oktober) trifft sich hier «tout Berne» zum Apéro.


Einstein Haus

Während seiner Zeit in Bern entwickelte Albert Einstein eine der wichtigsten und bekanntesten Theorien der Physikgeschichte: Die Relativitätstheorie. Heute noch taucht der Physiker in der ganzen Stadt auf. Doch nirgends kommt man dem grossen Wissenschaftler so nah wie im Einsteinhaus an der Kramgasse 49. 

Gewusst, dass …?

Damals, als Einstein in Bern lebte, war er nicht etwa als renommierter Professor an der Universität tätig, nein, er hatte einen äusserst langweiligen und schlecht bezahlten Job beim Eidgenössischen Patentamt. Seine Aufgabe war es, Patente auf ihre Funktionstüchtigkeit zu prüfen. Wie er es selbst nannte, war er ein «Tintenscheisser dritter Klasse». Doch die Arbeit verschaffte Einstein ein gesichertes Monatseinkommen, dank dem er seine Verlobte, Mileva Maric, nach Bern holen und endlich heiraten konnte.


Museum Franz Gertsch

Eine Sammlung in diesem Umfang ist für Kunstschaffende mit Rang wohl einzigartig. Gezeigt werden im Dialog mit den meist grossformatigen Gemälden und Holzschnitten des international bekannten Schweizer Künstlers Franz Gertsch vor allem Wechselausstellungen mit aktueller Kunst aus dem In- und Ausland. Dabei stehen die figurative zeitgenössische Malerei, Druckgrafik und Zeichnung im Fokus.

Gewusst, dass…?

Die Realität für Franz Gertsch nicht nur eine malerische, sondern auch konzeptionelle Herausforderung bedeutete? Obgleich er von Fotos, beziehungsweise von Diaprojektionen ausging, folgen die Bilder einer eigenen Logik, die auf absolute Stimmigkeit aller Elemente zielt. Einen besonderen Stellenwert im Werk von Franz Gertsch nehmen die Holzschnitte ein. In einer bislang unbekannten Präzision in der Ausführung und in Monumentalformaten, die schon allein bei der Papierherstellung an die Grenzen des Machbaren stossen, hat Gertsch mit diesem traditionellen Medium neue Dimensionen erschlossen.

Karin Kneffel – Face of a Woman, Head of a Child

Die Werke von einer der wohl erfolgreichsten und eigenständigsten Malerinnen Europas sind bis am 1. September 2024 im Museum Franz Gertsch in Burgdorf zu bestaunen. Karin Kneffel hat sich mit ihren monumentalen Gemälden von bildfüllenden, reifen Äpfeln und Weintrauben international einen Namen geschaffen. In der Ausstellung «Face of a Woman, Head of a Child» spielt Obst erstmals nur eine niederschwellige Rolle. Hier beschäftigt sich die Deutsche Künstlerin hauptsächlich mit Madonnenstatuen des 15. bis 16. Jahrhunderts und der Art und Weise, wie diese religiös als auch kunsthistorisch aufgeladen sind. Im Fokus stehen die Gesichter und Köpfe der Madonnen und des dazugehörigen Jesusknaben. Ergänzt wird die Ausstellung mit Josephsbildern, Jesusfiguren und einzelnen Obstbildern.


Kunsthaus Langenthal

Das Kunsthaus Langenthal zeigt zeitgenössische Kunst mit Schwerpunkt auf gegenwärtiger Schweizer Kunst. Während der Gruppenausstellung werden aktuelle Fragen aufgegriffen und daneben beleuchten Veranstaltungen immer wieder verschiedenste Themen. Ob Performance, Kunst für Familien oder literarische Führungen – das Kunsthaus Langenthal lässt Kulturherzen höherschlagen.

Gewusst, dass…?

Das Gebäude, welches die Kunstwerke beheimatet, hat eine weit zurückliegende Geschichte zu erzählen. 1790 bis 1808 wurde der spätbarocke Bau mit seinen vier historischen Vierschlaguhren von Joseph Purtschert erbaut. Für ihre baumeisterlichen Fähigkeiten bekannt, war die Familie Purtschert nicht aus dem 18. und frühen 19. Jahrhundert wegzudenken.


Vreneli Museum

Im Vreneli Museum wird eines der bekanntesten Schweizer Volkslieder lebendig. Der tragischen Liebesgeschichte vom Vreneli und dem Simes Hans-Joggeli kann in den Räumen des historischen Hauses nachgespürt werden. Angereichert mit traditionellen und liebevoll erhaltenen Objekten, reisen Besuchende in das 18. Jahrhundert.

Gewusst, dass…?

Das Vreneli Museum beherbergt einen kompletten Haushalt für sieben Personen. Wer durch die Räume streift, wird staunen, wie eine solch grosse Familie in so engen Verhältnissen wohnen konnte. Unter anderem ist auch das Elternbett zu sehen. Es ist winzig klein, denn früher legten sich die Leute nicht ganz ins Bett. Dies war erst im Sarg möglich.


Museum Schloss Laupen

«Ohne Laupen kein Bern!» Tatsächlich spielt das kleine Städtchen eine grosse Rolle in der Entstehung der heutigen Bundesstadt. Gerade im tausendjährigen Schloss kann noch heute den Spuren des berühmten Laupenkriegs nachgespürt werden. Die anschauliche Ausstellung bietet Einblicke in das Leben von damals und erzählt die spannende Geschichte von der elftägigen Belagerung im 14. Jahrhundert bis heute.

Gewusst, dass…?

Im Museum befindet sich ebenfalls der Käfigturm. In dessen Untergeschoss wird die traurige Geschichte der Barbara Weber, damals als «die Kindermörderin» bekannt, erzählt. Sie wurde in einen der «Mörderkästen» (Gefängniszellen) gesperrt, die heute noch besichtigt werden können.

Öffentliche Führungen durch das Schloss Laupen gibt’s nur wenige. Daher unbedingt jetzt schon den nächsten Termin im Kalender eintragen.