Michael Flügger, Botschaft der Bundesrepublik Deutschland

Der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland, Michael Flügger, würde gerne alle Orte bereisen, die Goethe in der Schweiz schon besucht hat. Welche Stadtführung ihn gepackt hat und welcher Kanton in sein Herz gemeisselt ist, lesen Sie in seinem Porträt.

Artikel veröffentlich im Info-Letter August 2022.

Michael Flügger...

... kommt ursprünglich aus Hamburg in Deutschland.

... hat im September 2020 seine Tätigkeit als Botschafter Deutschlands in der Schweizerischen Eidgenossenschaft und dem Fürstentum Liechtenstein aufgenommen. Davor war er tätig als Botschafter Deutschlands im Politischen und Sicherheitspolitischen Komitee (PSK) der EU und Leiter der Politischen Abteilung an der Ständigen Vertretung Deutschlands bei der EU in Brüssel. In dieser Funktion hat er für Deutschland, gemeinsam mit den anderen Mitgliedstaaten, die ganze Bandbreite der EU-Aussenpolitik verhandelt.

... verbringt seine Freizeit am liebsten in der Natur, in den Bergen. «Wallis – ins Herz gemeisselt»: Er besucht oft die Familie in den Walliser Bergen und ist ein grosser Fan dieser Region.

10 Fragen an Michael Flügger

Wie sieht Ihr normaler Arbeitstag aus?

Mein Arbeitsalltag ist sehr vielfältig. Ich führe vor allem Gespräche mit Vertreter*innen der Regierung und der Politik über gemeinsame Themen und aktuelle politische Entwicklungen. Ich begleite die Ministerinnen und Minister der Bundesregierung bei bilateralen Begegnungen, bei Konferenzen wie der UCR2022 oder im Rahmen des Austausches deutschsprachiger Länder, zuletzt beim Treffen der deutschsprachigen Aussenminister*innen in Liechtenstein.

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine prägt auch meinen Alltag, zum Beispiel in Gesprächen im G7-Format (Deutschland hat in diesem Jahr den G7-Vorsitz inne) oder bei Delegationsbesuchen aus Deutschland, bei denen Energiepolitik eine grosse Rolle spielt.

Im Zentrum meiner täglichen Arbeit stehen auch die Beziehungen zwischen der Europäischen Union und der Schweiz, da sie Deutschland als Nachbarstaat und Wirtschaftspartner Nr. 1 der Schweiz besonders betreffen. Im Kreis meiner EU-Kolleginnen und Kollegen diskutieren wir regelmässig und halten unsere Ministerien über die laufende Entwicklung unterrichtet.

Seitdem mit der Eindämmung der Covid-Pandemie persönliche Begegnungen wieder möglich sind, lerne ich die Schweiz bei Reisen möglichst intensiv kennen und tausche mich mit Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur über unsere bilateralen Themen aus. Ein weiterer wichtiger Aufgabenbereich der Botschaft sind konsularische Dienstleistungen für die über 400.000 Deutschen in der Schweiz – die Passstelle an der Botschaft Bern ist die größte weltweit außerhalb Deutschlands.

Auf welche Projekte freuen Sie sich im Moment besonders?

Gemeinsam mit mehr als 15 anderen Botschaften in Bern sind wir Teil der Umweltinitiative Greening Embassies Network (die deutsche Botschaft ist ein Gründungsmitglied der Initiative). In Zusammenarbeit mit der Stadt Bern denken wir bei all unseren Aktionen grün und engagieren uns dafür, die gemeinsamen Umweltauswirkungen der diplomatischen Gemeinschaft in Bern zu verringern. Meilensteine in diesem Jahr waren unter anderem Aktivitäten zum World Bike Day und dem Biodiversitätstag in Bern, mit denen wir uns für die Erreichung der SDGs der Vereinten Nationen stark gemacht haben.

Ausserdem freue ich mich auf eine neue Ausgabe unserer Veranstaltungsreihe «Ber(li)ner Salon», in der sich deutsche und Schweizer Referent*innen über gemeinsame Themen austauschen. Über unseren Youtube Kanal Deutsche Botschaft Bern können Sie digital dabei sein.

Was hat Sie bei Ihrer Ankunft in Bern am meisten überrascht?

Man sagt oft, die EU ist eine jüngere Schweiz: Bern und Brüssel verbindet jedenfalls nicht nur die Initiale, beide sind die Haupt- bzw. Bundesstädte von Ländern, die sich durch ihre Mehrsprachigkeit und kulturelle Vielfalt auszeichnen.
Als ich im Herbst 2020 von Brüssel nach Bern kam, war ich allerdings überrascht, wie viel weniger streng die Corona-Restriktionen hier gehandhabt wurden. Die Menschen sassen gemütlich in den Beizen zusammen, dieses Bild kannte ich aus Brüssel so seit einer Weile nicht mehr.

Was schätzen Sie an Bern?

An Bern mag ich, dass ich auf kleinem Raum einen tiefen Einblick in die politische Kultur des Landes bekomme. Die Bundesinstitutionen, Kundgebungen und die Einreichung von Initiativen, das Unterschriften-Sammeln auf dem Wochenmarkt am Samstag, die Demokratie-Vermittlung im Politforum Käfigturm, das alles spielt sich rund um den Bundesplatz ab.

Erzählen Sie uns von Ihrem Lieblingsort in Bern.

Ich liebe den Blick über die Berner Altstadt – bei Sonnenuntergang im Rosengarten oder bei der Einfahrt des Zuges über die Kornhausbrücke mit Sicht auf das Münster und die Berge. In der Unesco-Welterbestadt entdecke ich immer wieder neue schöne Ecken.

Wo in Bern entspannen Sie sich am liebsten von der Arbeit?

In der Elfenau verbinden sich ländliche Idylle, historischer Charme und das internationale Flair der verschiedensten Botschaften. Beim Sprung in die Aare mit Blick auf das Bundeshaus oder beim Spaziergang durch Wald und Wiesen wird der Kopf wieder frei.

Wer mehr über die Elfenau wissen will, dem empfehle ich das Buch von Therese Bichsel mit dem Titel «Grossfürstin Anna: Flucht vom Zarenhof in die Elfenau» über Juliane Henriette Ulrike von Sachsen-Coburg-Saalfeld, die als Grossfürstin Anna hier lebte und der Elfenau ihren Namen gab.

Wissen Sie bereits, was Sie vermissen werden, wenn Sie Bern verlassen?

Die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Berner, den unkomplizierten Zugang zu allen Gesprächspartnern bis zur Regierung, die unglaublich effiziente und pünktliche Schweizer Organisation, die beispiellos engen Beziehungen in allen Bereichen, die fantastischen Landschaften, das Skifahren – und natürlich das Wallis.

Was steht noch auf Ihrer To-Do-Liste?

Der grosse deutsche Dichter Johann Wolfgang von Goethe war der Schweiz sehr verbunden. Er bereiste das Land dreimal kreuz und quer. In diesem Jahr feiert die Eidgenossenschaft den 225. Jahrestag von Goethes dritter Schweiz-Reise, unter anderem mit der Eröffnung der ersten Goethe-Dauerausstellung, in der Gotthard-Festung. Ob ich es wohl schaffe alle Orte zu bereisen, die Goethe in der Schweiz schon besucht hat?

Was raten Sie Neuzugezogenen in Bern?

Den besten Einstieg, um die Stadt und ihre Geschichte kennenzulernen, bieten für mich die szenischen Stadtrundgänge, wie zum Beispiel von Stattland Bern «top secret» über Berns Vergangenheit als Agentenstadt. Ein Highlight in Bern sind für mich die Festivals und Veranstaltungen wie das Theaterfest, die Illumination Rendez-vous Bundesplatz, der Zibelemärit oder die Museumsnacht. Zum Schluss empfehle ich guten Schwimmer*innen den «Aareschwumm» zu testen – für viele Bewohnerinnen und Bewohner Berns gibt es im Sommer nichts Schöneres – und ich gebe zu, die Aare ist um einiges klarer und einladender als die Spree.

Kennen Sie einige Wörter auf Schweizerdeutsch und wenn ja, welches ist Ihr Lieblingswort?

Aus meiner Jugendzeit, als ich in der Lenk Skifahren gelernt habe, weiss ich noch den Satz «Hesch dini Ovo hüüt scho gha?». Und seit meiner Ankunft in Bern wächst mein passiver Wortschatz leider nur langsam, weil ich gar nicht so viele Gelegenheiten habe, das Schwyzerdütsche aufzuschnappen.

Von wem möchten Sie als nächstes etwas erfahren?

Wird demnächst bekannt gegeben.