Bundeshaus und Bundesplatz

Das Bundeshaus in Bern ist Kernpunkt der Schweizer Demokratie: Unter seiner mächtigen Kuppel tagt das Parlament, in den West- und Ostflügeln sind Teile der Landesregierung sowie der Bundesverwaltung untergebracht. Der grosszügige Bundesplatz ist ein lebendiger Begegnungsort für Gross und Klein.

Zwei Gebäude dominieren die Silhouette der Bundesstadt: der gotische Turm des Berner Münsters und die grüne, mit goldenen Elementen verzierte Kuppel des Bundeshauses. Mit dem 300 Meter langen monumentalen Parlamentsgebäude wollte der noch junge Schweizer Bundesstaat sein Selbstbewusstsein demonstrieren. In der Mitte thront das repräsentative, 1902 eingeweihte Parlamentsgebäude, in dem sich der Nationalrats- und Ständeratssaal, die Fraktionsbüros, ein Restaurant und eine Cafeteria sowie zahllose Nebenräume befinden. Im angebauten, eher nüchternen Bundeshaus West von 1857 sind zwei Departemente (Ministerien), die Bundeskanzlei, eine Bibliothek und das Sitzungszimmer des Bundesrates (Landesregierung) untergebracht. Zwei weitere Departemente befinden sich im Ostflügel, der 1892 eröffnet wurde.

Aus einem Bürgerkrieg entstanden

Die Schweiz wurde 1848 zum Bundesstaat. Dank seiner zentralen Lage zwischen dem deutsch- und dem französischsprachigen Landesteil wurde Bern zur Hauptstadt gewählt. Überzeugend war wohl auch das Versprechen der Stadt, die Grundstücke für die Verwaltungsgebäude gratis abzutreten. Jahrhunderte interner Konflikte, ausländischer Besetzungen und Bürgerkriege waren der Gründung des Bundesstaats vorausgegangen. Ab 1815 regelte eine Bundesakte das Verhältnis der damals 22 Kantone untereinander. In der Tagsatzung, deren Anfänge auf das 15. Jahrhundert zurückgehen, behandelten Abgesandte dieser Kantone die Geschäfte. Tagungsorte waren abwechselnd Luzern, Bern und Zürich.

Doch das Land wurde durch Zerwürfnisse zwischen katholisch-konservativen und liberalen, vorwiegend protestantischen Kantonen zerrissen. 1844 und 1845 versuchten Milizen aus liberalen Kantonen, Luzerns konservative Regierung zu stürzen. In der Folge gründeten sieben katholische Kantone den Sonderbund. Die liberale Mehrheit der Tagsatzung beschloss, diesen aufzulösen, was ihr in einem Bürgerkrieg im November 1847 auch gelang. In Rekordzeit wurde eine Bundesverfassung ausgearbeitet. Fast drei Viertel der Stimmberechtigten nahmen diese im Sommer 1848 an und die Schweiz, wie wir sie heute kennen, war geboren.

Bundeshaus als nationales Symbol

Das neue Parlamentsgebäude sollte helfen, die Gräben zwischen den Sprachregionen sowie politischen und religiösen Weltanschauungen zu überwinden. Der Bundesrat engagierte den Architekten Hans Wilhelm Auer, 1847 in Wädenswil (Kanton Zürich) geboren. Er hatte von 1874 bis 1883 bereits den Bau des Wiener Parlamentsgebäudes beaufsichtigt und den Ostflügel des Schweizer Bundeshauses gebaut. Für ihn galt das Parlamentsgebäude als Symbol der nationalen Einheit. Um dies zum Ausdruck zu bringen sorgte er dafür, dass 30 Gesteinsarten aus 13 Kantonen für Bau und Dekoration des Bundeshauses verwendet wurden. Auer setzte nur Schweizer Unternehmen ein und engagierte 38 Bildhauer, Maler und Glaskünstler.

Mythos der Schweiz in Stein gemeisselt

Schon in der Eingangshalle huldigt das Bundeshaus dem Mythos der Schweiz: Eine riesige Skulptur zeigt die Urväter beim Rütlischwur, genauso, wie Friedrich Schiller in seinem Drama «Wilhelm Tell» die fiktive Gründungsszene der Eidgenossenschaft beschreibt. Architektonischer Mittelpunkt ist die Kuppelhalle, von wo aus eine feierliche Treppe in den ersten Stock, zur Südseite des Gebäudes und dem Saal des Nationalrates hinaufführt. Auf Zuschauertribünen können Besuchende sowie Diplomaten das Geschehen verfolgen. Hier finden jeweils auch die Sitzungen der Vereinigten Bundesversammlung statt. In solchen Fällen nehmen die Ständerätinnen und Ständeräte an der Rückwand Platz. Ein charakteristisches Merkmal des Saals (so lässt er sich auf Bildern oder bei Fernsehberichten widererkennen) ist das monumentale Wandbild «Die Wiege der Eidgenossenschaft» des Genfer Malers Charles Giron.

Der kleinere Ständeratssaal befindet sich ebenfalls im ersten Stockwerk, dem Bundesplatz zugewandt. Der rechteckige, mit dunklem Holz vertäfelte Raum soll an die Ratssäle der Alten Eidgenossenschaft erinnern, ebenso der ovale Ratstisch in der Saalmitte. Auch dieser Raum wird von einem bekannten Gemälde geziert – hier ist es das Fresko «Die Landsgemeinde» von Albert Welti und Wilhelm Balmer. Wer auf einem Rundgang durchs Bundeshaus bis hierhin gelangt ist, sollte sich auf keinen Fall die lichtdurchflutete Wandelhalle entgehen lassen: die Aussicht auf die Aare und Berner Alpen ist atemberaubend.

Vom Parkplatz zum Stadtplatz

Bis 2003 war der Bundesplatz ein tristes, mit Autos zugestelltes Parkfeld. Dienstags und samstags jedoch herrschte eine heiterere Stimmung – dann nämlich fand (und findet nach wie vor) ein farbenfroher Gemüse-, Früchte- und Blumenmarkt statt. Von 2003 bis 2004 wurde der Platz radikal umgebaut und seither verstellen weder Bäume noch Bänke oder geparkte Autos die Sicht auf das Bundeshaus. Ein 180 Quadratmeter grosses Rechteck, belegt mit dunklen Platten aus Valser Gneis, sorgt für ein elegantes Erscheinungsbild.

Neben dem Wochenmarkt finden hier politische Manifestationen, Konzerte, Staatsempfänge und Sportveranstaltungen statt. Rund um den Bundesplatz befinden sich die Hauptgebäude der Schweizerischen Nationalbank und der Berner Kantonalbank, im Norden grenzt er an den Bärenplatz mit etlichen Restaurants sowie weiteren Bank- und Bürogebäuden. In den Wintermonaten wird vor der Nationalbank eine Kunsteisbahn mit dazugehörigem Restaurant betrieben und von Frühling bis Herbst erfreut ein Wasserspiel im westlichen Teil grosse und kleine Besucher.

26 Fontänen für 26 Kantone

Die 26 Fontänen des Wasserspiels auf dem Bundesplatz repräsentieren die 26 Kantone der Schweiz. Mal im Takt, mal nach dem Zufallsprinzip spritzt das Wasser scheinbar direkt aus den Steinplatten bis zu sieben Meter hoch in die Luft. Kinder tummeln sich vor Freude kreischend in den Fontänen; auch Erwachsene und sogar Hunde erfrischen sich an heissen Tagen im kühlenden Nass. Daneben sitzen Jugendliche, kleinere und grössere Gruppen auf dem Boden, picknicken, diskutieren – und üben auch mal eine Tanzaufführung. Dieses Bild versetzt schon mal ins Staunen: Ein solches Spektakel wäre vor anderen Regierungssitzen, vor dem Weissen Haus etwa oder dem Elysée-Palast, undenkbar.

Die Schweizer Demokratie

Das Schweizer Staatswesen ist von unten nach oben aufgebaut: von der Gemeinde über den Kanton (in Deutschland und Österreich «Bundesland») zum Bundesstaat. Dank der direkten Demokratie können Stimmbürgerinnen und -bürger als Souverän, das heisst als Inhaber der obersten Staatsgewalt, auf allen Ebenen mitentscheiden. Mit Referenden, Standes- und Volksinitiativen können sie die Gesetzgebung direkt beeinflussen oder parlamentarische Entscheide korrigieren.

Das nationale Parlament als gesetzgebendes Organ setzt sich aus zwei Kammern zusammen. Im 200-köpfigen Nationalrat, welcher das Volk und seine Interessen vertritt, können die kleinsten Kantone und Halbkantone einen Sitz beanspruchen, die grösseren erhalten je nach Bevölkerungszahl mehrere Sitze. Der Ständerat dient als Vertretung der Kantone und besteht aus 46 Mitgliedern: jeweils zwei aus jedem Kanton bzw. je ein Mitglied aus jedem Halbkanton. Zusammen bilden die beiden Räte die Vereinigte Bundesversammlung, welche unter anderem den siebenköpfigen Bundesrat, den Bundeskanzler (Stabschef der Regierung) und die Mitglieder der höchsten Gerichte wählt.

  • Das Bundeshaus

    Bundesplatz 3
    3005 Bern

    T +41 58 322 90 22
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