Breitenrain: szenig und lebhaft

24. März 2017

Das Breitenrainquartier – von den Bernerinnen und Bernern «Breitsch» genannt – liegt nördlich der Altstadt. Überquert man die Aare über die Lorraine- oder Kornhausbrücke, führt der Weg direkt in den Breitenrain. Das Quartier ist zwar nicht das älteste oder grösste, gilt aber als eines der beliebtesten der Stadt Bern.

Der Breitsch ist vor allem um seinen Mittelpunkt konzentriert: den Breitenrainplatz. Kleinere Geschäfte wie Apotheke, Metzgerei und Bäckerei sowie Restaurants und Cafés haben ihren Standort unweit des Breitschplatzes und unterstreichen das dörfliche Quartierbild, welches noch immer mit lokalem Gewerbe auftrumpfen kann. Zeitgleich mit dem benachbarten Lorrainequartier aufgrund Bauarbeiten der Bahnstrecke Olten-Bern Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden, galt das Breitenrainquartier im Gegensatz zum Lorrainequartier schon immer als ein Quartier der sozialen Mittelschicht.

Schon ab den Siebzigerjahren des 19. Jahrhunderts wurden die kantonalen Militäranlagen mit Kaserne, Stallungen und Zeughäuser in den Breitsch verlegt, welche noch heute militärisch genutzt werden. Anfangs 1890 galt das Breitenrainquartier gemeinsam mit der Länggasse zu den am stärksten wachsenden Quartiere der Stadt Bern. Das immer dichter besiedelte Nordquartier der Stadt bedingte eine bessere Erschliessung, welche letztlich mit dem Bau der Kornhausbrücke 1898 realisiert wurde. Somit war der Breitenrain via Viktoriaplatz und Kornhausplatz direkt mit der Altstadt erschlossen. In den folgenden Jahren entstanden im Breitenrain immer mehr Wohnsiedlungen und das Quartier vergrössterte sich stetig und gilt mittlerweile als eines der am dichtesten besiedelten Stadtgebiete.

Gefällige Ecken

Trotz der Wohndichte bietet der Breitenrain eine hohe Lebensqualität. Kleine Bijous sind noch heute charakteristisch für den Breitsch. Noch nicht sehr lange im Quartier zuhause, aber doch schon fester Bestandteil, ist die Barbière mit hauseigener Brauerei an bester Lage am Breitenrainplatz. Von sechs Freunden gemeinsam eröffnet, gilt die Barbière als urbanes Szenelokal, welches mit eigenen Bierkreationen abseits des Mainstreams auf sich aufmerksam macht.

Seit noch nicht allzu langer Zeit wird die ehemalige Feuerwehrkaserne zwischengenutzt und beherbergt nun das gemütliche Restaurant Löscher und viele verschiedene Ateliers mit lokalen Produzenten wie beispielsweise der Kaffeebrennerei Adrianos oder dem Berner Ingwerer. Sowieso - der Breitsch hat einige kulinarische Trümpfe, wie beispielsweise das Restaurant Büner an der Kasernenstrasse, wo mediterrane Küche auf hohem Niveau geboten wird. Das Credo des Restaurants LOKAL an der Militärstrasse lautet «Das Gute isst so nah». So wird treu seinem Namen auf einheimische Küche und kurze Lieferwege gesetzt und dem Gast wird lokales Bier und Fleisch vom regionalen Bauernhof aufgetischt. Regelmässig stattfindende Konzertabende laden dazu ein, Genuss mit Kultur zu verbinden.

Kunst auf engstem Raum

Kulturell hat der Breitsch einiges zu bieten. So befindet sich beispielsweise das wohl kleinste Kunsthäuschen der Welt im Quartier. Der Projektraum 9a am Stauffacherplatz ist ein Holzhäuschen aus dem Jahre 1911, welches zeitweise als Blumenkiosk, Schuhmacherei, Lagerraum und Brockenstube diente. Seit 2009 werden dort Ausstellungen und Kunstprojekte auf engstem Raum inszeniert. Die Kleinkunstbühne La Cappella befindet sich, wie es der Name schon verrät, in einer ehemaligen Methodistenkapelle. Heutzutage werden dort nicht mehr Gottesdienste gehalten, sondern Chansons und Kabarette auf höchstem Niveau gespielt.

Familienfreundlich

Dass der Breitsch ein lebendiges und gemütliches Quartier ist, lässt sich mitunter auf der Strasse beobachten. Die Leute kennen und unterhalten sich und die Kinder spielen gemeinsam auf der grossen Kasernenwiese oder auf dem Kinderspielplatz Schützenmatt. Die Mischung aus szenigem und familiärem Quartier, die Vielfalt an lokalem Gewerbe, Kultur und Gastronomie sowie die ruhige und dennoch stadtnahe Lage müssen es wohl sein, die den Breitenrain zu einem der beliebtesten Stadtquartiere in Bern machen.