Lorraine: Vom Arbeiter- zum Trendquartier

24. März 2017

Noch bis Ende des 20. Jahrhunderts galt die Lorraine als Arbeiterquartier. Das sogenannte A-Quartier stand stellvertretend für Arme, Arbeitslose, Ausländer und Alternative. Innerhalb der letzten Jahre wandelte sich das Wohnviertel Schritt für Schritt zu einem Trendquartier Berns.

Die Gentrifizierung verdrängte jedoch die Ansässigen nicht völlig und die Lorraine besteht heute aus einer bunt zusammengewürfelten Mischung verschiedenster Menschen. Fragt man die Berner Bevölkerung nach einer Beschreibung der Lorraine, dann fallen Ausdrücke wie „alternativ“, „offen“, „kreativ“, „gemütlich“ und „lebendig“. Tatsächlich trifft man in diesem nördlichen Stadtgebiet auf eine interessante Szene verschiedenster Persönlichkeiten und Gesellschaftsschichten.

Das Quartier ist eingeklemmt zwischen dem Quartier Breitenrain auf der einen und der Aare auf der anderen Seite. Das heutige Boom-Quartier entstand im Verlaufe des 18. Jahrhunderts infolge des Baus der Bahnstrecke Olten-Bern. Damals überquerte die Bahn die Aare noch über der sogenannten Roten Brücke, welche 1941 durch das ausschliesslich für den Bahnverkehr bestimmte Lorraineviadukt ersetzt wurde. Nicht zuletzt wegen der erst 1930 gebauten Lorrainebrücke für den Fahr- und Fussverkehr, welche das Quartier auf der Aareterrasse mit der
Altstadt verbindet, war der Stadtteil lange stadtabgewandt und behielt seinen dörflichen Charakter.

Der Wandel erfolgte dann mitunter dank der alternativen Szene, die sich im Quartier niederliess und ihm ihren eigenen Stempel bei der Quartiersgestaltung aufdrückte.

Vielfältige Gastrokultur

So finden sich nun viele kleine und alternative Beizen im Stadtviertel wie beispielsweise das Café Kairo. Seit über 15 Jahren belebt es die Lorraine mit einem erfolgreichen Gastrokonzept und einer lokalen und saisonalen Menukarte, mit einem vielfältigen Kulturangebot sowie der alternativen Freiluftveranstaltung Gartenfestival, welches sich neben Grossveranstaltungen im Sommer behaupten kann.

Etwas jünger ist die Geschichte des Café Wartsaal. Mit kulturellen Veranstaltungen, einer grossen Auswahl an Büchern vor Ort sowie einem empfehlenswerten Brunch ist auch der Wartsaal ein Ort,den man kennen muss in der Lorraine. Nicht weit davon entfernt befindet sich die Quartierbeiz Du Nord mit dem Türmchen, das man schon beim Überqueren der Lorrainebrücke erblickt. Exotischere Gerichte werden im Restaurant Okra aufgetischt, dort stehen nord- und südindische Spezialitäten auf der Karte.

Prägende Orte der Lorraine

Sommerzeit ist Badezeit in Bern. Tout Berne trifft sich bei heissen Temperaturen an und in der Aare, um sich mit einem Schwumm im kühlen Wasser zu erfrischen. Eines von zwei Berner Stadtbädern ist das Lorrainebad. Es erinnert noch heute ein Stück weit an vergangene Zeiten, so besteht der Bau seit Ende des 19. Jahrhunderts (noch älter ist das Marzilibad, welches aus dem Jahr 1782 stammt). Wer sich fragt, was es mit den Fischen im Becken des Lorrainebades auf sich hat, dem sei verraten, dass die flussaufwärtsschwimmenden Fische über einen Schieber von der Aare ins Schwimmbecken schlüpfen können. Den Fischen scheint es im Lorrainebad jedenfalls zu gefallen – wie auch den Bernerinnen und Bernern.

In der Lorraine befindet sich die grösste Berufsschule der Schweiz, an der über 7000 Schüler aller Berufsgattungen unterrichtet werden. Auf dem Gelände der Berufsschule ist auch die Klangbrücke versteckt, eine Kunstinstallation, die vom Hauptgebäude zum Campus führt. Betritt man die vom Max Neuhaus entworfene „Suspended Sound Line“, begleiten einen meditative Klänge, die verstummen, sobald das Ende erreicht ist.

Nur wenige Schritte davon entfernt liegt an der Sonnenseite des Aarehanges der Botanische Garten. Der 1859 vor allem zu Studienzwecken gegründete Park erstreckt sich über mehr als zwei Hektare. Tausende Pflanzenarten aus aller Welt, darunter auch viele Heilkräuter, haben hier ihre Heimat gefunden.